Pressemitteilung: SEZ-Debatte erreicht neue Phase
26.06.2026
Pressemitteilung der Initiative „SEZ für alle!“
SEZ-Debatte erreicht neue Phase
Alternative zum Abriss wird erstmals auf mehreren Ebenen offiziell untersucht
Berlin, 26.06.2026
Die Debatte um die Zukunft des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) hat mit der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am 22. Juni 2026 eine neue Phase erreicht. Aus Sicht der Bürgerinitiative „SEZ für alle!“ zeigt sich erstmals deutlich, dass der vollständige Abriss des Gebäudes nicht länger als alternativlos behandelt wird. Stattdessen werden inzwischen auf mehreren Ebenen unterschiedliche Ansätze zum Erhalt des SEZ fachlich untersucht.
Erstmals hat der Senat den städtebaulichen Entwurf des Bündnisses
SEZ-Quartier neu denken
, der den vollständigen Erhalt des Gebäudes mit ergänzendem Wohnungsbau verbindet, öffentlich bewertet und eigene Berechnungen dazu vorgestellt. Gleichzeitig prüft das Büro Stefan Forster im Auftrag der WBM Varianten für einen teilweisen Erhalt des Gebäudes. Darüber hinaus hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg eine Machbarkeitsstudie zum Bündnis-Entwurf beim Büro 03 Architekten beauftragt. Damit entstehen erstmals belastbare Grundlagen, um den Erhalt des SEZ fachlich, technisch und wirtschaftlich mit dem Abriss vergleichen zu können.
Gleichzeitig hält die Initiative an ihrer Forderung fest, die laufende Ausschreibung zum Komplettabriss auszusetzen, bis diese Untersuchungen abgeschlossen und politisch bewertet sind. Solange unterschiedliche Entwicklungswege parallel geprüft werden, darf aus Sicht der Initiative keine Vergabe zum Abriss erfolgen, die Fakten und eventuell Abhängigkeiten schafft, bevor überhaupt über den zukünftigen Umgang mit dem Gebäude entschieden wurde.
Die vom Senator für Stadtentwicklung präsentierten Berechnungen bewertet die Initiative kritisch. Diese wurden bislang weder transparent erläutert noch nachvollziehbar dokumentiert. Auch Vertreterinnen und Vertreter der Oppositionsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke forderten in der Ausschusssitzung eine Offenlegung der zugrunde liegenden Berechnungen. Aus Sicht der Initiative kann eine verantwortungsvolle Entscheidung nur auf einer transparenten und vergleichbaren Datengrundlage getroffen werden.
Ebenso weist die Initiative die Darstellung zurück, das SEZ sei ein hoffnungsloser Abrissfall. Gemeinsam mit dem federführenden Architekten des Gebäudes, Günter Reiß, sowie zahlreichen weiteren Fachleuten aus Architektur, Denkmalpflege und Stadtentwicklung kommt sie zu einer anderen Einschätzung: Die Tragstruktur und wesentliche Teile der Bausubstanz befinden sich in einem sehr guten Zustand und bilden eine tragfähige Grundlage für eine Transformation. Der Eindruck eines „verfallenen Gebäudes“ entsteht heute vor allem durch jahrelange Vernachlässigung, Vandalismus und Graffiti – nicht durch einen grundsätzlichen Verlust der baulichen Qualität.
Mit dem Beschluss zur
IBA Berlin 2034–37
hat der Senat zugleich die Leitlinien seiner zukünftigen Stadtentwicklungspolitik formuliert. Im Mittelpunkt stehen die Transformation großer Bestandsgebäude, das Weiterbauen der bestehenden Stadt und der verantwortungsvolle Umgang mit vorhandenen Ressourcen. Nach Auffassung der Initiative gehört das SEZ deshalb in den Mittelpunkt dieser Entwicklung. Kaum ein anderer Ort in Berlin bündelt die Themen Umbaukultur, Ressourcenschonung, öffentliche Infrastruktur und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung so exemplarisch. Das SEZ könnte damit zu einem Prototypen der IBA werden, an dem neue Verfahren der Bestandstransformation praktisch entwickelt und erprobt werden.
Auch bei der Sicherung des Gebäudes sieht die Initiative erste Fortschritte. Nachdem das Bündnis seit Monaten gefordert hatte, die vorhandene Fachkompetenz in die Instandsetzung einzubeziehen, hat die Bauleitung der WBM inzwischen Kontakt zum SEZ-Architekten Günter Reiß aufgenommen. Die Initiative wertet dies als wichtiges Signal, dass die fachliche Expertise des Bündnisses zunehmend ernst genommen wird.
Gleichzeitig fordert die Initiative eine sofortige Bautrocknung des Gebäudes. Der federführende SEZ-Architekt Günter Reiß weist darauf hin, dass die Überflutung der Kellerräume nicht durch eindringendes Grundwasser verursacht wurde. Das Gebäude steht bis zu neun Meter tief in einer dichten Bauwerkswanne. Das Regenwasser der Dachflächen wird entsprechend der ursprünglichen Planung innerhalb des Gebäudes gesammelt und anschließend abgepumpt. Nachdem die Stromversorgung dieser Pumpen abgeschaltet wurde, konnte das Regenwasser nicht mehr abgeführt werden und die Kellerräume liefen voll. Aus Sicht der Initiative muss dieser Zustand schnell beendet werden, um weitere vermeidbare Schäden an der Bausubstanz auszuschließen.
„Die Entwicklung der vergangenen Monate zeigt, dass der Erhalt des SEZ längst kein Randthema mehr ist. Aus einer Initiative für den Gebäudebestand ist eine fachliche und politische Debatte entstanden, in der inzwischen Alternativen zum Abriss ernsthaft untersucht werden. Diesen Weg gilt es jetzt konsequent weiterzugehen.“
Die Bürgerinitiative dankt allen Unterstützerinnen und Unterstützern sowie ausdrücklich dem Bündnis
SEZ-Quartier neu denken
und
Gemeingut in BürgerInnenhand
für ihr großes Engagement.
Initiative "SEZ für alle!"
E-Mail:
[email protected]
Auch der
Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
hat am 26.06.2026 eine
Pressemitteilung
veröffentlicht:
https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/aktuelles/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1686313.php
Das
Bündnis "SEZ-Quartier neu denken"
hat 29.06.2026 den Beitrag "
SEZ: Das bisherige Verfahren führt nicht zur besten Lösung – aber es ist noch nicht zu spät
" veröffentlicht:
https://www.baustelle-gemeinwohl.de/2026/06/sez-verfahren-fuehrt-nicht-zur-besten-loesung/
https://www.baustelle-gemeinwohl.de/2026/06/sez-verfahren-fuehrt-nicht-zur-besten-loesung/